Mair - grundsätzliche Überlegungen

Mair - grundsätzliche Überlegungen

Beitragvon Henrik G. » Do Jan 29, 2015 2:44 pm

Hallo Zusammen,
in unsere Gruppe tauchte eine interessante Frage zu Paulus Hector Mair und seinen Fechtbüchern auf. Wir würden uns über eure Meinungen oder Anmerkungen zur Thema freuen.

Prolog:
unsere Verein beschäftigt sich mit frühere Quellen (Döbringer/Danzig/Ringeck…), alles was danach kam haben wir bisher nicht bearbeitet. Nach unsere bisherige Informationen nach hat aber Mair anders als Joachim Meyer die „alten“ Techniken nicht überarbeitet und seiner Zeit angepasst, sondern vornehmlich zusammengefasst und neu bebildert. (Sicher auch ergänzt durch „modernen“ Waffen, Rapier, Rapier/ Dolch,etc..)

Die Frage:
Können Mair´s Fechtbücher nun als indirekten Teil der "Liechtenauerschen" Lehre bezeichnet und sie dementsprechend neben frühere Quellen (Döbringer/Danzig/Ringeck…) zu Rate gezogen werden? Gar aus ihnen lernen?

PS: bitte entschuldigt falls dieses Thema in Vergangenheit schon durchgekaut wurde, ich habe bisher aber nur einige, Waage Hinweise dazu gefunden.

Fechtergruß aus Bielefeld,
Henrik
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Re: Mair - grundsätzliche Überlegungen

Beitragvon Spintmännchen » Do Jan 29, 2015 6:34 pm

Zuerst einmal: Auch vom Joachim Meyer kannst du diesbezüglich eine Menge lernen! Musst halt nur bei jedem seiner Stücke reflektieren was er aus welchen gründen halt grade so und so macht..
P.H. Mair hat in erster Linie andere Fechtbücher nur kopiert und zusammengestellt. Sein illustrierter langschwertteil basiert glaube ich auf Wilhalms Handschriften (Kann jemand mein schwaches Gedächtnis hierhingehend bestätigen oder widerlegen...?), hat also mit den von dir genannten älteren Quellen ehr wenig gemein.
Sein zweibändiges Gesamtwerk ist aber dermaßen umfangreich und Bund zusammengewürfelt, dass sich in anderen Kapitel/Waffengattungen sichtlich auch passenderes finden mag.
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Re: Mair - grundsätzliche Überlegungen

Beitragvon Henrik G. » Do Feb 05, 2015 3:25 pm

Danke Jan!
Dass wir von Meyer etwas lernen können steht außer Frage. Wir sind nur daran (aktuell) nicht interessiert. Dein Hinweis auf „Wilhalms Handschriften“ hilft uns schon mal ein Stück weiter. Interessanter ist aber was in diese Thread nicht steht ;-) Entweder ist diese Frage so banal, dass niemand sonst etwas dazu sagen möchte oder doch nicht so klar zu beantworten wie ich zuerst angenommen habe. Vermutlich bleibt uns nichts anderes übrig als Meisterhaue und Prinzipien zwischen frühere Quellen und Maier zu vergleichen (?)
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Re: Mair - grundsätzliche Überlegungen

Beitragvon Spintmännchen » Do Feb 05, 2015 6:21 pm

Hm, ich bin mir nicht ganz sicher ob deine Frage bei mir richtig ankam. Mair hat sehr viel zusammengestellt. Einige seiner Kapitel sind bloße Anschriften von älteren, unbebikderten Fechtbüchern. Du wirst Du nichts "neues" drin finden.
Weite Teile seiner illustrierten Kapitel sind vom Wilhalm "bagemalt" und (ich glaube) mit längeren Texten als das original versehen. Aber es finden sich auch die Tafeln aus dem wallerstein C im maier angemalt wieder. Wallerstein C gehört zum ältesten überhaupt. Ein befreundeter Historiker hat es mal auf um 1420 datiert. Wallerstein C ist textlos, Mair schreibt unter seine Tafeln aber lange Texte. Ich vermute, er hat sich da Stücke zu den Bildern ausgedacht (ausdenken lassen).
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Re: Mair - grundsätzliche Überlegungen

Beitragvon OliverJ » Sa Feb 07, 2015 11:48 am

Sicher kann man daraus etwas lernen. Das Problem ist aber eindeutig, dass man bei Mair nur den Ablauf beschrieben bekommt und der ist nicht immer eindeutig. Aber vor allem beschreibt er absolut keine Prinzipien, nutzt Fachbegriffe ohne sie zu erklären etc.

Wir haben sehr viel Zeit darauf verbracht die Stücke zu den Stangenwaffen zu interpretieren und auch zu trainieren.
Was ich an den Kombinationen schön finde ist, dass sie ein oder zwei starke Techniken haben und diese mit "profanen" Aktionen in einen Gesamtkontext beschrieben werden in dem nicht nur der optimale Fall auftritt.
Die Übung der Stücke führte zu einem recht guten Gefühl für die Waffe und recht schnell auftretenden passenden Reflexen, beides konnte man im Freigefecht schnell erkennen.
(Und hättet ihr eure Hintern im Herbst einen Tag früher nach Dortmund bewegt, hätte ich euch noch ein bisschen mehr dazu zeigen können, wie wir damit trainiert haben)

Ob ich das vergleichend zu alten Quellen (sichelich nicht zum 3227a ;-)) nutzen würde, glaube ich nicht.
Es ist HF, keine Frage. DIe Rekonstruktion nach dem was Mair sich unter Fechten vorstellt (Interessant wie Jan sagte sind dann auch die Stücke auf alten Quellen mit frischem Text). Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass Mair kein Fechtmeister war. Außerdem hat er (im Gegesatz zu Meyer, der übrigens auch zur Lichtenauerschen Lehre gehört) kein wirkliches Schulbuch verfasst.

Da ich dir auch nicht sagen kann, wie weit die Stücke mit dem Wilhalm übereinstimmen, müssten man die sicherlich auch mal abgleichen und dann, wenn man Spaß hat, noch Vergleiche ziehen zu den jüngsten Werken der ursprünglichen Überlieferung.
Henrik G. hat geschrieben:Vermutlich bleibt uns nichts anderes übrig als Meisterhaue und Prinzipien zwischen frühere Quellen und Maier zu vergleichen (?)

Dann mal ran ans Werk Bielefeld! :)
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Re: Mair - grundsätzliche Überlegungen

Beitragvon Henrik G. » Mo Feb 09, 2015 5:34 pm

Danke Oliver, sehr erhellend.
An eine rudimentäre Abgleich sitzen wir schon, mal schauen wie viel Spaß wir daran haben. ;-)
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